Ein Rahmenmodell zur Bewertung metakompetenzbasierter Kompetenzarchitekturen

Forschungsbericht des Instituts für digitalen Unsinn
Zusammenfassung
Die moderne Wissensgesellschaft hat in den vergangenen Jahrzehnten eine bemerkenswerte Entwicklung hervorgebracht. Nachdem zunächst Fähigkeiten bewertet wurden, begann man, Kompetenzen zu messen. Als die Kompetenzen nicht mehr ausreichten, entstanden Metakompetenzen. Als auch diese ihren Neuigkeitswert verloren, wurden metakompetenzbasierte Kompetenzarchitekturen entwickelt.
Die vorliegende Studie stellt erstmals ein wissenschaftlich fundiertes Rahmenmodell zur Bewertung der Kompetenz der Kompetenzen vor und schließt damit eine Forschungslücke, deren Existenz zuvor durch mehrere Expertengremien bestätigt worden war.
Einleitung
Kaum ein Begriff hat die moderne Bildungs-, Personal- und Organisationsentwicklung so nachhaltig geprägt wie der Begriff der Kompetenz.
Kompetenzen gelten heute als Grundlage erfolgreicher Lebensführung, beruflicher Entwicklung, organisationaler Anpassungsfähigkeit und strategischer Zukunftsoffenheit. Gleichzeitig besteht jedoch weitgehend Einigkeit darüber, dass einzelne Kompetenzen längst nicht mehr ausreichen, um den Anforderungen einer zunehmend komplexen Welt gerecht zu werden.
Infolgedessen entstand die Idee der Metakompetenz.
Metakompetenzen beschreiben die Fähigkeit, Kompetenzen zu entwickeln, Kompetenzen zu kombinieren oder Kompetenzen situationsgerecht einzusetzen.
Doch bereits wenige Jahre später stellte sich die nächste Frage:
Wer bewertet eigentlich die Qualität der Metakompetenzen?
Die Forschungslücke
Die Analyse aktueller Kompetenzmodelle offenbarte ein grundlegendes Problem.
Zahlreiche Frameworks definieren Kompetenzen.
Andere definieren Metakompetenzen.
Einige definieren sogar Meta-Metakompetenzen.
Nahezu kein Modell beschäftigt sich jedoch mit der übergeordneten Fähigkeit, die Qualität kompetenzbezogener Kompetenzmodelle kompetent einschätzen zu können.
Dieses Defizit wird in der Literatur als Kompetenzkompetenzlücke bezeichnet.
Entwicklung des Rahmenmodells
Zur Schließung dieser Lücke entwickelte ein interdisziplinäres Forschungsteam das Modell der Kompetenz der Kompetenzen.
Das Modell basiert auf vier zentralen Dimensionen:
Kompetenzbewusstheit
Die Fähigkeit, zu erkennen, dass Kompetenzen existieren.
Kompetenzreflexivität
Die Fähigkeit, über Kompetenzen nachzudenken.
Kompetenzarchitekturverständnis
Die Fähigkeit, Kompetenzmodelle hinsichtlich ihrer strukturellen Kompetenzhaftigkeit zu bewerten.
Metakompetenzresilienz
Die Fähigkeit, auch bei mehrstufigen Kompetenzebenen den Überblick nicht vollständig zu verlieren.
Methodik
Für die Untersuchung wurden 480 Fachleute aus den Bereichen Bildung, Personalentwicklung, Organisationsberatung und Kompetenzmanagement befragt.
Die Teilnehmer erhielten verschiedene Definitionen, darunter:
„Die Kompetenz der Kompetenzen beschreibt die Fähigkeit zur metareflexiven Evaluation kompetenzarchitektonischer Kompetenzstrukturen im Rahmen adaptiver Kompetenzökosysteme.“
Anschließend wurden sie gebeten, die Aussage hinsichtlich ihrer Verständlichkeit zu bewerten.
Ergebnisse
Die Resultate waren bemerkenswert.
83 Prozent der Befragten bezeichneten die Definition als „wissenschaftlich fundiert“.
67 Prozent stuften sie als „zukunftsweisend“ ein.
42 Prozent erklärten, das Konzept bereits in ähnlicher Form verwendet zu haben.
Lediglich 6 Prozent konnten erklären, was der Satz tatsächlich bedeutet.
Das Prinzip der rekursiven Kompetenzsteigerung
Auf Grundlage der Daten formulierten die Forscher das Prinzip der rekursiven Kompetenzsteigerung.
Dieses besagt:
Die wahrgenommene Innovationshöhe eines Kompetenzmodells steigt proportional zur Anzahl der Kompetenzebenen, die zwischen Ausgangsbegriff und praktischer Anwendung eingefügt werden.
Beispielsweise ergibt sich folgende Entwicklung:
- Fähigkeit
- Kompetenz
- Metakompetenz
- Kompetenzarchitektur
- metakompetenzbasierte Kompetenzarchitektur
- Kompetenz der Kompetenzarchitektur
- metakompetenzbasierte Kompetenzarchitekturkompetenz
- strategische Kompetenzarchitekturkompetenzfähigkeit
Ab der sechsten Ebene konnten die meisten Teilnehmer nicht mehr sicher unterscheiden, ob es sich um einen Fachbegriff oder um einen Druckfehler handelte.
Das Kompetenz-Aura-Modell
Ein weiterer Befund betrifft die sogenannte Kompetenz-Aura.
Hierbei handelt es sich um den Eindruck fachlicher Tiefe, der entsteht, wenn ausreichend viele Begriffe mit den Endungen
- -kompetenz
- -fähigkeit
- -architektur
- -framework
- -ökosystem
- -resilienz
innerhalb eines Absatzes kombiniert werden.
Die Studie zeigt, dass die wahrgenommene Wissenschaftlichkeit eines Textes bereits dann um 37 Prozent steigt, wenn das Wort „Kompetenz“ mindestens siebenmal auf einer Seite erscheint.
Ab zwölf Nennungen wird von Experten von einem gesättigten Kompetenzfeld gesprochen.
Internationale Einordnung
Internationale Fachkreise reagieren zunehmend interessiert auf die Forschungsergebnisse.
So veröffentlichte das Europäische Kompetenzforum für kompetenzbasierte Kompetenzentwicklung bereits ein Positionspapier zur strategischen Förderung kompetenzsensibler Kompetenzkulturen.
Die Kernaussage des Dokuments lautete:
„Kompetenz ist mehr als Kompetenz.“
Die genaue Bedeutung dieser Aussage wird derzeit untersucht.
Diskussion
Die Ergebnisse werfen grundlegende Fragen über den Umgang moderner Organisationen mit Komplexität auf.
Möglicherweise dienen Kompetenzmodelle längst nicht mehr ausschließlich der Beschreibung menschlicher Fähigkeiten, sondern erfüllen zunehmend eine symbolische Funktion.
Sie erzeugen Orientierung, Professionalität und den Eindruck systematischer Steuerbarkeit, selbst dann, wenn niemand mehr exakt erklären kann, worauf sich die einzelnen Ebenen beziehen.
Die Kompetenzarchitektur wird dadurch zu einem Gebäude, das nicht mehr betreten wird, dessen Existenz jedoch allgemein als wertvoll gilt.
Fazit
Die Kompetenz der Kompetenzen stellt einen wichtigen Schritt auf dem Weg zu einer umfassenden Kompetenzisierung des Kompetenzdiskurses dar.
Sie ermöglicht die Bewertung von Metakompetenzen, Kompetenzarchitekturen und kompetenzbezogenen Bewertungsstrukturen innerhalb komplexer Kompetenzökosysteme.
Ob damit tatsächlich ein praktisches Problem gelöst wird, konnte die Studie nicht eindeutig klären.
Die Mehrheit der Teilnehmer war jedoch der Ansicht, dass ein entsprechendes Framework grundsätzlich hilfreich erscheinen könnte.
Und manchmal ist das bereits Kompetenz genug.
Die Studie wurde vom Institut für digitalen Unsinn gemeinsam mit dem Europäischen Kompetenzrat für Kompetenzfragen sowie dem Zentrum für rekursive Frameworkentwicklung durchgeführt. Das Abschlussdokument umfasst 312 Seiten, von denen 287 der Begriffsdefinition dienen.